Sheabutter: Wirkung, Herkunft und worauf du beim Kauf achten solltest
Sheabutter hilft trockener Haut vor allem auf eine Weise: Sie legt sich als feiner Film auf die Hornschicht und verlangsamt, wie schnell Wasser aus der Haut verdunstet. Dazu liefert sie Fettsäuren nach, die in deiner Hautbarriere ohnehin vorkommen.
Das ist gut belegt und macht sie zu einem der sinnvollsten Pflegefette überhaupt. Ein Wundermittel ist sie trotzdem nicht.
Worauf es bei der Qualität ankommt, wird selten erklärt. Genau darum geht es hier.
Wo sie herkommt
Sheabutter wird aus den Nüssen des Karitébaums gewonnen, botanisch Vitellaria paradoxa. Er wächst in einem Gürtel südlich der Sahara, vom Senegal bis Uganda. In der Inhaltsstoffliste findest du sie als Butyrospermum Parkii Butter.
Der Baum wird nicht angepflanzt, sondern wächst wild. Er trägt erst nach 15 bis 20 Jahren die ersten Früchte und wird mehrere hundert Jahre alt. In vielen Regionen Westafrikas werden Ernte und Verarbeitung traditionell von Frauen übernommen und in Kooperativen organisiert. Für viele Familien ist das eine der wenigen verlässlichen Einkommensquellen.
Deshalb ist die Herkunft bei Sheabutter nicht nur eine Marketingfrage.
Was drin ist
Der Blick auf die Fettsäuren erklärt, warum Sheabutter so gut zu trockener Haut passt:
| Bestandteil | Anteil | Funktion |
|---|---|---|
| Ölsäure | ca. 40 bis 45 % | macht geschmeidig, zieht gut ein |
| Stearinsäure | ca. 35 bis 45 % | gibt Struktur, bildet den Schutzfilm |
| Linolsäure | ca. 3 bis 8 % | essenzielle Fettsäure, Baustein der Hautbarriere |
| Palmitinsäure | ca. 3 bis 7 % | stabilisierend |
Diese vier machen zusammen weit über 90 Prozent aus. Sie sind für die eigentliche Pflegewirkung verantwortlich.
Daneben gibt es den unverseifbaren Anteil. Bei den meisten Pflanzenölen liegt er bei ein bis zwei Prozent, bei Sheabutter sind es drei bis zehn. Darin stecken Triterpene, Phytosterole und Tocopherole, also natürliches Vitamin E.
Wie sie sich anfühlt
Sheabutter hat einen Schmelzpunkt von etwa 32 bis 35 Grad. Sie ist bei Raumtemperatur fest und wird auf der Haut flüssig. Deshalb lässt sie sich gut verteilen und fühlt sich beim Auftragen zunächst dicht an, dann weich.
Ihre Hauptwirkung nennen Fachleute okklusiv: Sie reduziert den transepidermalen Wasserverlust. Praktisch heißt das, die Haut bleibt länger feucht und bekommt Zeit, ihre eigene Barriere wieder aufzubauen. Besonders relevant ist das, wenn diese Barriere durch häufiges Waschen, Kälte oder trockene Heizungsluft strapaziert ist.
Was Sheabutter nicht ist: ein Medikament. Sie pflegt trockene Haut und unterstützt ihre natürliche Funktion. Hauterkrankungen behandelt sie nicht, dafür gehört man in ärztliche Hände.
Raffiniert oder unraffiniert?
Diese Frage wird oft so beantwortet, als gäbe es eine richtige Antwort. Die gibt es nicht. Es sind zwei Varianten für zwei verschiedene Zwecke.
Unraffinierte Sheabutter wird mechanisch gepresst und nicht weiter behandelt. Sie ist elfenbeinfarben bis gelblich und riecht kräftig nussig, manchmal leicht rauchig. Der unverseifbare Anteil bleibt weitgehend erhalten.
Raffinierte Sheabutter wird zusätzlich gereinigt, gebleicht und desodoriert. Sie ist weiß, geruchsneutral und in der Zusammensetzung von Charge zu Charge gleichmäßig.
Wichtig zu wissen: Die Fettsäuren, also der Hauptwirkstoff, bleiben bei beiden Varianten praktisch identisch. Der Unterschied betrifft den unverseifbaren Anteil, der bei der Raffination teilweise reduziert wird.
Wofür unraffiniert spricht
Mehr Begleitstoffe, also mehr Triterpene und Vitamin E. Wer Sheabutter pur verwendet und den Eigengeruch mag, bekommt hier das vollständigere Produkt.
Wofür raffiniert spricht
Der Duft. Unraffinierte Sheabutter riecht so kräftig, dass sie jeden anderen Duft überlagert. In einer Creme mit Lavendel oder Zitrusnoten kann man sie deshalb kaum einsetzen, ohne dass der Geruch dominiert.
Die Gleichmäßigkeit. Unraffinierte Ware schwankt je nach Ernte, Region und Verarbeitung erheblich in Farbe, Geruch und Konsistenz. Für ein Produkt, das jedes Mal gleich sein soll, ist das ein echtes Problem.
Die Verträglichkeit. Ein Teil der Begleitstoffe in unraffinierter Sheabutter kann bei empfindlicher Haut reizen. Wer zu Reaktionen neigt, fährt mit der raffinierten Variante oft besser.
Die Haltbarkeit. Raffinierte Sheabutter oxidiert langsamer und bleibt länger stabil.
Wer also pure Sheabutter aus dem Glas sucht, greift sinnvollerweise zur unraffinierten. Wer eine Creme kauft, in der Sheabutter mit anderen Wirkstoffen und einem gewollten Duft kombiniert ist, hat mit raffinierter meist das bessere Ergebnis.
Für wen sie geeignet ist
Gut geeignet für trockene und sehr trockene Haut, strapazierte Hände, Ellenbogen und Füße, für Lippenpflege und für die Haut im Winter, wenn Kälte und Heizungsluft zusammenkommen.
Vorsichtiger sein solltest du bei fettiger oder zu Unreinheiten neigender Gesichtshaut. Sheabutter ist reichhaltig und kann dort zu schwer sein, besonders pur aufgetragen. Für die Hände ist sie dagegen praktisch immer eine gute Wahl.
Zur häufigen Frage nach Nussallergien: Sheabutter stammt zwar aus einer Nuss, enthält aber kaum Proteine. Und Proteine sind es, die allergische Reaktionen auslösen. Sie gilt deshalb allgemein als gut verträglich. Wenn du eine diagnostizierte Nussallergie hast, besprich es trotzdem mit deiner Ärztin, bevor du großflächig anwendest.
Pur oder in einer Rezeptur?
Reine Sheabutter aus dem Glas ist günstig und wirksam. Sie hat aber zwei praktische Nachteile: Sie ist fest und muss zwischen den Fingern angewärmt werden, und sie zieht langsam ein. Vor dem Schlafengehen ist das ideal. Mitten im Arbeitstag ist es unpraktisch.
In einer gut gemachten Creme wird Sheabutter mit Wasser, Feuchthaltestoffen wie Glycerin und leichteren Ölen kombiniert. So bekommt man beides: die pflegende Wirkung der Butter und eine Textur, die schnell einzieht.
Für die tägliche Handpflege ist deshalb meist eine Creme sinnvoller als pure Sheabutter. Einfach, weil man sie tatsächlich benutzt.
In unserer Handcreme Samtpfote arbeiten wir mit raffinierter Sheabutter in Kombination mit Avocadoöl. Raffinierte Sheabutter ist geruchsneutral, und das ist bei unserer Creme wichtig: Der feine Duft von Lavendel und Litsea Cubeba soll zur Geltung kommen. Dazu ist sie von Charge zu Charge gleichmäßig, sodass die Samtpfote jedes Mal gleich riecht und sich gleich anfühlt. Die pflegenden Fettsäuren sind in beiden Varianten dieselben.
Barbara Gallasch, Kosmetikerin