Trockene Hände im Kita-Alltag: was Erzieherinnen wirklich hilft
In Kitas ist Feuchtarbeit die häufigste Belastung überhaupt. Das sagen nicht wir, das sagen die Unfallkassen über ihre eigenen Mitgliedseinrichtungen.
Die drei wirksamsten Punkte vorweg:
- Einmalhandschuhe konsequent nutzen, um Waschgänge einzusparen. Jeder eingesparte Waschgang ist gewonnene Regenerationszeit.
- Es gibt einen kostenlosen Hautschutzplan speziell für Kitas. Die meisten kennen ihn nicht.
- Die eigentliche Pflege kommt nach Dienstschluss, nicht zwischendurch.
Warum ausgerechnet die Kita
Der Kita-Alltag kombiniert Belastungen, die einzeln harmlos wären.
Wickeln. Mehrmals täglich, dazu Feuchttücher, Reinigungsmittel und Handschuhe im schnellen Wechsel.
Händewaschen mit den Kindern. Vor dem Essen, nach dem Essen, nach dem Toilettengang, nach dem Rausgehen. Und weil ihr Vorbild seid, wascht ihr jedes Mal mit.
Infektionswellen. In der Erkältungszeit steigt die Waschfrequenz massiv. Genau dann, wenn Heizungsluft und Kälte die Haut ohnehin belasten.
Basteln und Werken. Kleber, Fingerfarben, Knete, Kreide. Vieles davon ist alkalisch und entfettet die Haut zusätzlich.
Draußen. Sandkasten, Kälte, nasse Matschhosen. Kalte Luft senkt die Talgproduktion, die Haut wird schneller rissig.
Die Seife. In vielen Einrichtungen stehen einfache Flüssigseifen, die günstig sind, aber nicht mild. Bei zwanzig Anwendungen am Tag macht das einen Unterschied.
Was dazu kommt: Im Unterschied zu Kliniken ist der Arbeitsschutz in Kitas beim Thema Haut oft schwächer aufgestellt. Ein Hautschutzplan existiert in vielen Einrichtungen nicht, obwohl die Belastung vergleichbar ist.
Der Hautschutzplan, den es kostenlos gibt
Das ist der praktischste Tipp in diesem Artikel.
Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege stellt einen Hautschutz- und Händehygieneplan speziell für Kindertagesstätten bereit. Kostenlos, als PDF zum Ausdrucken und Aufhängen. Er ist auf den Kita-Alltag zugeschnitten und regelt, welches Mittel wann zu verwenden ist.
Falls es bei euch keinen Hautschutzplan gibt: Das ist kein Wunschkonzert, sondern eine Arbeitgeberpflicht, sobald Feuchtarbeit vorliegt. Und die liegt in praktisch jeder Kita vor.
Die Kriterien dafür sind tätigkeitsbezogen, nicht branchenbezogen. Wer regelmäßig mehr als zwanzig Mal pro Tag die Hände wäscht, erfüllt sie unabhängig davon, ob er in der Klinik oder in der Krippengruppe arbeitet. Welche Schwellenwerte genau gelten und welche Rechte daraus folgen, habe ich hier im Detail aufgeschrieben: Handpflege für Pflegekräfte. Die Regeln sind dieselben.
Ausgedruckt und der Leitung vorgelegt ist dieser Plan ein sachlicher Gesprächseinstieg, der niemanden angreift.
Handschuhe sparen Waschgänge
Das klingt zunächst widersinnig, ist aber der wirksamste Einzelhebel.
Nach Kontakt mit Ausscheidungen, Blut oder erbrochenem Essen muss gewaschen werden. Wenn du bei diesen Tätigkeiten Einmalhandschuhe trägst, entfällt der Waschgang. Bei einer Wickelrunde mit vier Kindern können das schnell vier eingesparte Waschvorgänge sein.
Drei Regeln dazu:
Nur auf vollständig trockene Hände. Restfeuchtigkeit unter dem Handschuh verstärkt die Belastung erheblich.
Keine gepuderten Handschuhe. Der Puder trocknet zusätzlich aus und erhöht das Reizungsrisiko. In den meisten Einrichtungen ohnehin Standard, aber prüfenswert.
Nicht länger als nötig. Handschuhe, die nach der Tätigkeit anbleiben, weil es gerade schneller geht, sind unnötige Belastungszeit.
Die Routine für den Kita-Tag
Zu Dienstbeginn: Hautschutzcreme auftragen, dünn und vollständig, auch Fingerzwischenräume und Nagelfalze. Das ist ein anderes Produkt als die Pflegecreme für zu Hause.
Nach den Pausen und nach dem Händewaschen: Hautschutz erneuern. Das ist der Zeitpunkt, den fast alle vergessen.
Beim Waschen: Lauwarm statt heiß. Heißes Wasser löst mehr Fett. Und gründlich abtrocknen, besonders zwischen den Fingern. Feuchte Hände trocknen stärker aus als abgetrocknete.
Nach Dienstschluss: Der wichtigste Moment. Jetzt hat die Haut Stunden ohne Belastung vor sich. Großzügig eincremen.
Vor dem Schlafen: Bei stark strapazierten Händen dick eincremen und dünne Baumwollhandschuhe darüber. Unbequem, aber wirksam.
Keine Ringe im Dienst. Darunter sammeln sich Feuchtigkeit und Seifenreste. In vielen Einrichtungen ohnehin aus Hygienegründen untersagt.
Ein Punkt zu Duftstoffen, den ich nicht auslassen will
Die Unfallkassen empfehlen für die Pflege nach Dienstschluss ausdrücklich fettende, parfümfreie Cremes.
Der Grund: Duftstoffe gehören zu den häufigeren Kontaktallergenen. Auf gesunder Haut sind sie in aller Regel unproblematisch. Auf bereits gereizter oder rissiger Haut ist die Barriere durchlässiger, und dann kann jeder zusätzliche Stoff ein Auslöser sein.
Praktisch heißt das:
Wenn deine Hände gesund sind und du Düfte gut verträgst, spricht nichts gegen eine leicht beduftete Creme. Viele benutzen sie sogar regelmäßiger, weil sie angenehmer ist, und Regelmäßigkeit schlägt jede Rezeptur.
Wenn deine Haut bereits gereizt ist, du zu Ekzemen neigst oder eine Duftstoffallergie bekannt ist, ist parfümfrei die sichere Wahl. Dann gehört das auch in den Hautschutzplan.
Das gilt unabhängig davon, welche Marke du kaufst.
Wann du zum Arzt gehen solltest
Diese Anzeichen gehören ärztlich abgeklärt:
- nässende, blutende oder tiefe Risse
- Bläschen, starke Rötung, anhaltender Juckreiz
- Beschwerden, die sich trotz konsequenter Pflege über Wochen nicht bessern
- Hautveränderungen, die sich in den Ferien bessern und im Dienst wiederkommen
Der letzte Punkt spricht deutlich für einen beruflichen Zusammenhang. Dann gibt es das Hautarztverfahren über die Berufsgenossenschaft, und daraus können Leistungen folgen. Je früher, desto besser die Aussichten.
Worauf du beim Kauf achten kannst
Für den Feierabend darf die Creme reichhaltig sein, die Haut hat Zeit.
Für zwischendurch zählt etwas anderes: Zieht sie schnell genug ein, dass du sofort weiterarbeiten kannst? Mit einer fettigen Schicht an den Händen kannst du kein Kind wickeln und keine Schere halten. Eine Creme, die du deshalb nicht benutzt, nützt nichts.
Dazu möglichst wenige, klar deklarierte Inhaltsstoffe.
Unsere Handcreme Samtpfote ist so gemacht, dass sie schnell einzieht und keinen fettigen Film hinterlässt, damit man sie auch mitten im Arbeitstag benutzt. Sie enthält Lavendel und Litsea Cubeba, ist also leicht beduftet. Bei gesunder Haut ist das unproblematisch, bei bereits gereizter Haut oder bekannter Duftstoffempfindlichkeit ist ein parfümfreies Produkt die sichere Wahl. Hergestellt wird sie bei unserem Lohnhersteller Schneider in Bad Tölz, abgefüllt wird sie bei uns von Hand.
Barbara Gallasch, Kosmetikerin