Kaputte Hände im Friseurberuf: was hilft und welche Rechte du hast - Meine Lieblingscreme

Kaputte Hände im Friseurberuf: was hilft und welche Rechte du hast

Hautprobleme an den Händen gehören im Friseurhandwerk zu den häufigsten Berufsproblemen überhaupt. Das liegt nicht an mangelnder Sorgfalt, sondern an einer Kombination aus Nässe, Chemie und Handschuhwechsel, die es in dieser Dichte in kaum einem anderen Beruf gibt.

Die drei wirksamsten Punkte vorweg:

  1. Handschuhe bei jeder chemischen Arbeit, konsequent und nur einmal verwendet.
  2. Hautschutzmittel nach jedem Händewaschen, nicht nur morgens.
  3. Wenn deine Hände schon Probleme machen: melden, nicht durchhalten. Seit 2021 gilt dabei etwas Entscheidendes anders als früher.

Warum der Beruf so hart zur Haut ist

Wasser und Shampoo. Tenside lösen Fett, und zwar nicht nur aus dem Haar, sondern auch aus deiner Hautbarriere.

Die Chemie. Blondiermittel enthalten Persulfate, Oxidationshaarfarben Stoffe wie p-Phenylendiamin, Dauerwellmittel Thioglykolate. Alle drei Gruppen können die Haut reizen, und einige können eine Sensibilisierung auslösen, die dann dauerhaft bleibt.

Der Wechsel. Handschuhe an, Handschuhe aus, Hände waschen, wieder Handschuhe. Dieser schnelle Rhythmus belastet die Haut stärker als jede einzelne Tätigkeit für sich. Berufsanfängerinnen trifft es besonders, weil die Haut noch nicht angepasst ist und Azubis überdurchschnittlich viele Waschtaetigkeiten übernehmen.

Was dir die TRGS 530 zusichert

Für das Friseurhandwerk gibt es eine eigene Technische Regel, die TRGS 530, seit April 2023 grundlegend überarbeitet.

Schutzhandschuhe sind Einmalprodukte. Sie müssen nach dem Gebrauch entsorgt werden. Der ausgezogene und später wieder angezogene Handschuh ist innen feucht und kontaminiert, und genau das schadet.

Feuchtarbeit ist definiert. Sie liegt vor bei regelmäßig vier Stunden oder mehr Wasserkontakt pro Arbeitstag, oder bei mehr als zwanzig Handschuhwechseln täglich. Im Salon ist mindestens eines davon fast immer erfüllt.

Dein Arbeitgeber muss die Mittel stellen und bezahlen. Hautschutzmittel, Hautreinigungsmittel und geeignete Handschuhe. Das ist Pflicht, keine freiwillige Leistung. Wenn du deine Handschuhe selbst kaufst, läuft etwas falsch.

Daraus folgen außerdem ein Hautschutzplan und arbeitsmedizinische Vorsorge. Welche Schwellenwerte dafür im Einzelnen gelten, steht hier: Handpflege für Pflegekräfte.

Der Punkt, den kaum jemand kennt

Berufsbedingte Hauterkrankungen laufen als Berufskrankheit unter der Nummer 5101. Über achtzig Prozent dieser Fälle betreffen die Hände.

Früher galt der sogenannte Unterlassungszwang. Eine Anerkennung war praktisch nur möglich, wenn man die schädigende Tätigkeit aufgegeben hatte. Wer weiter im Salon arbeitete, bekam keine. Das hat unzählige Betroffene davon abgehalten, überhaupt etwas zu melden.

Seit dem 1. Januar 2021 ist dieser Unterlassungszwang weggefallen. Eine Anerkennung ist jetzt möglich, unabhängig davon, ob du deinen Beruf aufgibst oder weiterarbeitest. Die Zahl der anerkannten Hauterkrankungen nach BK 5101 ist 2021 auf mehr als das Zehnfache gestiegen.

Das heißt konkret: Du musst nicht mehr zwischen Anerkennung und Beruf wählen. Der alte Grundsatz, dass man sich damit die eigene Existenz zerstört, stimmt so nicht mehr.

Was du tun kannst: Geh zur Hautärztin und sprich den beruflichen Zusammenhang ausdrücklich an. Sie kann einen Hautarztbericht an die Berufsgenossenschaft schicken. Daraus können Leistungen folgen: geeignete Schutzmittel, Schulungen, in schweren Fällen strukturierte Behandlungsprogramme. Zuständig ist die BGW. Je früher, desto besser die Aussichten.

Handschuhe und Hautschutz im Salontag

Bei jeder chemischen Arbeit Handschuhe. Färben, Blondieren, Dauerwelle. Auch bei der schnellen Ansatzfarbe zwischendurch.

Nitril statt Latex, wo möglich. Naturlatex kann selbst sensibilisieren. Und ausreichend lang, denn kurze Handschuhe lassen Farbe ans Handgelenk, wo die Haut besonders dünn ist.

Nur auf vollständig trockene Hände. Restfeuchtigkeit verstärkt die Belastung unter dem Handschuh erheblich.

Hautschutzmittel zu Arbeitsbeginn, nach Pausen und nach dem Händewaschen. Der Zeitpunkt nach dem Waschen wird fast immer vergessen. Nicht direkt vor dem Anziehen von Handschuhen auftragen, das kann das Material beeinträchtigen.

Die Grundlagen zum Waschen und Abtrocknen habe ich hier beschrieben: Trockene Hände vom häufigen Händewaschen

Wann du zur Ärztin gehen solltest

Bei nässenden oder blutenden Rissen, Bläschen, starker Rötung oder anhaltendem Juckreiz. Ebenso, wenn sich nichts bessert, obwohl du konsequent pflegst.

Ein deutliches Zeichen: Hautveränderungen, die im Urlaub abklingen und im Salon wiederkommen. Bei Verdacht auf eine Allergie gegen Haarfarben oder Blondiermittel ist eine Testung sinnvoll. Sie klärt, welcher Stoff der Auslöser ist, und danach lässt sich der Arbeitsplatz oft gezielt anpassen.

Worauf du bei einer Pflegecreme achten kannst

Für den Feierabend darf sie reichhaltig sein. Für zwischendurch zählt etwas anderes: Zieht sie schnell genug ein, dass du sofort weiterarbeiten kannst? Mit fettigen Händen lässt sich keine Schere führen und kein Wickel setzen. Eine Creme, die du deshalb nicht benutzt, nützt nichts.

Wenn deine Haut bereits gereizt ist oder du eine Duftstoffallergie hast, ist ein parfümfreies Produkt die sichere Wahl. Das gilt unabhängig von der Marke.

Und deutlich gesagt: Eine Pflegecreme ist Hautpflege, kein Arbeitsschutz. Sie ersetzt weder Handschuhe noch das Hautschutzmittel aus dem Hautschutzplan.


Unsere Handcreme Samtpfote ist genau darauf ausgelegt: Sie zieht schnell ein und hinterlässt keinen fettigen Film, damit man sie auch zwischen zwei Kundinnen benutzen kann. Sie enthält Lavendel und Litsea Cubeba, ist also leicht beduftet. Bei gesunder Haut unproblematisch, bei gereizter Haut ist parfümfrei die sichere Wahl. Hergestellt bei unserem Lohnhersteller Schneider in Bad Tölz, abgefüllt bei uns von Hand.

Barbara Gallasch, Kosmetikerin

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